Was sind 60 Jahre in der vierten Dimension?
In meinem Blog-Eintrag vom 16. Dezember 2025 ging es um meine künstliche Unterhaltung mit der noch küntlicheren Intelligenz. Kann daraus eine künstlerische Unterhaltung werden? Wer weiß?
Es gibt eine Dialogszene zwischen der neuen Anstaltsleiterin Else und Uri Nachtigall (Folge 508), und darüber hatte sich ChatGPT im totalen Missgriff geäußert.
"In dieser Szene wird Else sofort als Machtfigur etabliert:..." Else ist in meinem Roman und wie ich sie auch auf ihrem ask-Profil erlebt habe, eine weltoffene, lebensfreudige, freundliche Person, ohne intellektualistische Ambitionen, nicht rationalistisch, sondern pragmatisch. In ihren Sätzen auf dem Profil schwang immer ein fröhliches Lachen mit. Ihre Verwunderung, dass ausgerechnet sie die Leitung der Psycho-Villa angetragen bekam, hat sehr viel Authentisches. Aber gerade, weil sie keine eingebildete, hochtrabende Akademikerin ist, sondern sehr pragmatisch, bodenständig und lebensnah, ist sie die ideale Besetzung dieser Funktion. Sie glaubt nicht, mit ihrem Diplom die Weisheit gepachtet zu haben, sondern sie ist interessiert und empathisch und bereit, sich auf alles einzulassen, ohne sich in Einlassungen zu verlieren. Auch ist sie frei von der Brille akademischer Phraseologie institutionsbesessener Apparatschiks.
Das wiederhole ich gerne - Else wegen!
So bebilderte sie sich in ihrer Selbstdarstellung. Und das sollte nicht der Ausdruck ihrer Freude über die Berufung in den SOKRATES-Roman sein.
Nun aber soll es um eine Figur gehen, von der ich mich frage, ob ich sie nicht wirklich in mein reales Leben geradewegs direkt in mich hinein philosophiert habe. Zu sehr spielte ich mit ihr, bis sie mich ergriff! Und nun wird eine SOKRATES-Szene geschrieben werden müssen:
Die Theaterbühne wird selbst zum Traum, Hamlet alias Uri Nachtigall alias Uri Bülbül tritt auf, Identitäten changieren wie im Traum: er fuchtelt mit einem Degen und will Don Sigmundo zum Duell auffordern, und Basti denkt: “Hoffentlich kommt nicht in der Rolle des Don Sigmundo ein im Fechten geschulter Schauspieler, nimmt das Duell an und sticht den Theaterphilosophen alias Autor alias Hamlet wirklich ab!
Aber da müsste doch Else als Traumdeuterin und Traumwächterin eingreifen können. Immerhin leitet sie die Psycho-Villa und wusste schon am 25. November 2022 unseren Freund Otto zu trösten, als dieser sich mit dem Beitrag meldete:
Du Elsi, dem Uri, also der @Klugdiarrhoe, gefallen die Fußballspiele in Katar nicht. Es ist wie verhext: Das Ritter Turnier mussten wir schon aus kränklichen Altersgründen abbrechen. Jetzt dürfen wir wohl nicht mal mehr Fußball spielen ? ( huhuuhuuu,... heulend um den Hals fall 🤧🤧🤧 )
Otto der richtig gute Zauberer
Else's (っ◕‿◕)っ
25. November 2022
Juhu .....Otto.....lass dich trösten. Der Fußball und die Doppelmoral. Erst macht man den Diener um Rohstoffe zu bekommen und jetzt machen die Medien die Sportler wahnsinnig. Schon bei Vergabe der Spielstätte hätte man protestieren sollen. Naja....
Ich bin im Dekomodus und mach es mir gemütlich.
Duhu....Otto?...wenn du meine Jeschenke vorbei bringst....kommst du da als Weihnachtsmann??? .....so mit weißen Rauschebart.....und hohoho....und sagst mit tiefer Stimme....draußen vom Walde da komm ich her....usw...oder wie machen wir es denn nun....🎅🤗
Ich jedenfalls machte als @Klugdiarrhoe damals mit der Folge 557 weiter. Und ich muss gestehen, schon diese Folge, acht Folgen vor der Doppelbelegung verwirrt mich im Nachhinein. Ein Schelm, ein Don Sigmundo, dem das Ödipale auffällt! Es ging um die Rolle meiner Mutter im SOKRATES-Roman in einem Dialog mit dem Reisenden ins Land der vierten Dimension Gaston de Pawlowski.
Die Folge 557 hat etwas seltsam Fragmentarisches und wirkt auf mich nun am 1. Januar 2026 literarisch so unabgeschlossen. Reisen wir zunächst in die Traumwelt:
Aber dann hörte Basti auch, wie das Wasser an die Planken der “Bunten Kuh” schlug. Dieses Geräusch hatte schon manch einen Seemann in den Wahnsinn getrieben. Die Seeräuber aber waren dagegen gefeit. Es war auf der “Bunten Kuh”, wie es eben war und niemand störte sich daran. Niemand hatte Sehnsucht oder Ehrgeiz, einen anderen Ort zu suchen. Sie freuten sich über den rosa Delphin, der sie ab und an besuchte, sie fanden Rudi als ihr Haustier wundervoll, verwöhnten ihn mit Futter und Streicheleinheiten. «Es muss doch eines Tages weitergehen! ihr müsst doch mal weitersegeln», hörten sie den Delphin sagen, aber sie machten sich keine weiteren Gedanken über seine Worte. Sie hätten auch nicht genau gewusst, wohin es weitergehen sollte. Plötzlich empfand Basti diese Stimmung auf der “Bunten Kuh” in sich und das erfüllte ihn mit Trauer. Der Blauwal sah ihn aus seinem kleinen Äuglein mitleidig an. Basti konnte ihn sprechen hören, obwohl er schwieg. «Je mehr du dich in dieses Schweigen begibst, desto mehr wirst du hören, sehen, schmecken, fühlen!» Basti hörte in der Ferne einen Motor. Ein Motorboot? Nein, er fühlte einen kühlen Luftzug, obwohl er tief unter Wasser im Bassin war. Es war der Motor eines Autos. Obwohl sich Basti mit Automarken nicht so gut auskannte und schon gar nicht mit jenen historischen Autos, die es schon längst nicht mehr gab, erkannte er den Borgward der Landvermesserin. Beim Schalten ließ sie das Getriebe knarren und die Kupplung schleifen. Sie war eine ausgesprochen schlechte Autofahrerin. Der Blauwal lächelte aus seinem Auge den rosa Delphin an. Durch dieses Lächeln hindurch konnte Basti den altmodischen Radfahrer sehen, der sich am hinteren Kotflügel des Borgward festhielt und sich etwas ziehen ließ, bis die Fahrerin ihn bemerkte und sofort anhielt. «Lass das bleiben, du Lümmel! Willst du dir den Hals brechen und Kratzer in mein Auto machen?» «Aber Madame, verzeihen Sie! Ich bin sehr vorsichtig, uns kann nichts passieren und gewiss würde ich niemals einen Kratzer in Ihr Auto machen!» «Es ist ein deutsches Auto und ich bekomme hier überhaupt keine Ersatzteile dafür! Dieses rückständige Bauernland macht mich wahnsinnig! Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis es halbwegs einen Anschluss an Europa gefunden hat!» «Gewiss, Madame, aber es ist ein zweifelhaftes Vergnügen, den Anschluss an Europa zu finden», erwiderte der junge Mann auf dem Fahrrad. «Sie scheinen ein gebildeter und wohlerzogener Mensch aus gutem Hause zu sein, kein Herumtreiber wie viele dieser Bauernlümmel, schaffen die mittlere Reife nicht, betreiben Trainspotting, Trainhopping und werden Tagelöhner!» «Was ist denn Trainhopping, Madame? Ich bin von Beruf Journalist, vornehmlich schreibe ich Sportreportagen, aber auch Berichte aus den Gerichtssälen der verdrehten Paragraphenwelt. Gaston Williams Adam de Pawlowski, Doktor des Rechts, ich reise ohne ein bestimmtes Ziel durch die Weltgeschichte, Madame.»
Und dieser Folge schließt sich das Fragment an:
«Ich höre die Landvermesserin und den Radfahrer sich unterhalten», sagte Basti fast flüsternd. Er wusste gar nicht, dass Delphine auch so leise schnattern konnten. Aber ganz offensichtlich war das möglich. «So vieles ist möglich», sagte der Blauwal, der warum auch immer, Claudius hieß. «Nur wissen wir es nicht, ahnen es auch nicht einmal und sind so sehr vom Licht unseres Wissens verblendet und halten alles, was wir sehen und wissen können in unserem Licht für alles, was es gibt.» Mit vorsichtigen Bewegungen schwamm Claudius etwas und sprach telepathisch weiter: «Es ist eine große Selbsttäuschung und Selbstüberschätzung und für alles haben wir eine Erklärung, aber jede Erklärung ist zugleich auch eine Verklärung und nur, wenn wir das Menschsein verlassen und uns in andere Perspektiven begeben, beginnen wir neue Ahnungen zu entwickeln – ich möchte das Wort „ERKENNTNIS“ lieber meiden.» «Ein Bisschen hört sich die Musik deiner Rede so an wie die meines Freundes Viktor in der schiefen Hütte», sagte Basti. Die schiefe Hütte hatte übrigens Else angeregt. Aber dann war Basti schon wieder bei der Landvermesserin und Gaston, dem Radfahrer. «Schauen Sie, junger Mann, die Menschen hier sind unaufgeklärt und rückständig, einfaches Bauernvolk, Landbevölkerung! Frauen ohne Rechte und eigentlich alle ohne Bildung, dort auf dem Berg wird gerade mal jetzt ein Schulgebäude errichtet für eine Mittelschule. Da können dann Jungs ihre mittlere Reife machen, glauben Sie mal nicht, dass die Familien ihre Töchter nach der verpflichtenden Grundschule von fünf Jahren zur Mittelschule schicken werden. Wenn es die Schulpflicht nicht gäbe, was zum Glück Atatürk eingeführt hat, Mustafa Kemal war ein großer, weiser Mann...» «...der Offizier des Osmanischen Reiches aus Saloniki, der zum großen Reformer und Begründer der modernen Türkei wurde?», fragte Gaston die Dame in ihrer feurigen Rede unterbrechend. Sie stutzte nur kurz, aber durchaus auch etwas vorwurfsvoll, um dann sofort in ihrem Fluss fortzufahren: «Er wollte wie in allen aufgeklärten europäischen modernen Staaten die allgemeine Schulpflicht, das lateinische Alphabet, um endlich Licht ins Dunkel der finsteren Köpfe zu lassen! Aber Mädchen und Frauen werden stark benachteiligt, was gar nicht im Sinne Atatürks ist!» Basti schüttelte sich als Delphin, er hatte Gaston und die Landvermesserin nun sogar direkt vor Augen, wie sie am Wegrand standen und langsam die Sonne sich ihrem Untergang näherte, der Himmel aber klar und blau war nur mit ein paar wenigen Schäfchenwolken, die sich bald rosa färben würden. Basti hörte die Landvermesserin sagen: «Wir haben einen Auftrag, eine wichtige Aufgabe in dieser Welt, junger Mann! Ich hoffe, das ist Ihnen bewusst, während Sie hier die Welt erradeln.» Gaston nickte irritiert und unsicher. Aber um seine Mundwinkel war auch ein höfliches Schmunzeln nicht ohne Respekt vor der Dame. «Würde mich sehr freuen, Ihnen wieder zu begegnen! Oder Sie kommen mich mal zuhause besuchen oder in meinem Büro, wenn ich keinen Außendienst habe. Mein Büro befindet sich in der Bauzentrale. Sehr schön! Ein gebildeter, feiner Mensch, wohlerzogen und zivilisiert aus dem feinen Frankreich, ganz nach meinem Herzen, junger Mann, das sehe ich gerne. In dieser Gegend gibt es fast nur grobes, schlichtes Bauernvolk. Die Herzen der Menschen sind gut, in der Regel zumindest, es gibt aber auch lustige Bauernschlaue und Gauner. Viele junge Lümmel. Die Unbildung verhindert die Emanzipation der jungen Mädchen und Frauen. Sie tun mir am meisten leid», wiederholte sie sich und schien sich dessen gar nicht bewusst zu sein, bis sie kurz innehielt und dann das Thema wechselte: «Und Sie reisen durch die Weltgeschichte? Da haben Sie sicher schon viel gesehen und erlebt.» «Madame, wie ich es auch in meinem Buch sachlich geschildert habe, entdeckte ich das Land der vierten Dimension und die Möglichkeit der Reise dorthin.» «Phantastisch, was die moderne Technik alles möglich macht! Ich muss jetzt schnell weiter zu meinem kleinen Sohn. Er wird von einem Hausmädchen betreut. Kindergärten gibt es ja hierzulande nicht. Das wird noch einige Jahre dauern. Außerdem geht nichts über die Mutterliebe», sprach sie und fuhr mit aufheulendem Motor und schleifender Kupplung davon. Der Radfahrer schmunzelte ihr hinterher.
Prost 2026.

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